Dabei integriere ich oft Fundstücke aus der Natur in meine Werke. Pflanzen, Früchte, Samen, Wurzeln, Federn, Knochen, Eierschalen etc. bieten nicht nur faszinierende und inspirierende Strukturen und Farbstoffe. Sie liefern mit ihren (traditionellen) Verwendungsmöglichkeiten als Haus- und Heilmittel oder ihren mystischen bzw. mythischen Bedeutungen und Hintergründen auch symbolischen Gehalt, der für die Thematik meiner Werke essentiell ist:
Ich nutze - passend zum jeweiligen Thema – symbolische Zutaten wie Pflanzen, Wasser aus speziellen Quellen, Federn etc. entweder im Bild selbst (ggf. auch als Druck) oder in selbst hergestellten Tinten und Papieren. Auch wenn die Betrachter*innen diese besonderen Bestandteile vielleicht gar nicht bewusst wahrnehmen, bereichern sie meine Bilder um eine nahezu magische Dimension. Die Suche nach Zutaten und das Entwickeln von Rezepturen bereichern mein Künstlerinnenleben genauso wie die fertigen Eco-Prints und meine Papiere und Tinten, deren Verhalten und Aussehen sich nicht immer vorhersehen lässt. (Eine Liste der Tinten mit ihren speziellen Inhaltsstoffen finden Sie am Ende dieses Textes.)
Meine aktuellen Arbeiten lassen sich am besten unter „Göttinnen und Magie“ zusammenfassen.
Zu den Göttinnen bin ich über die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem „wahren Selbst“, nach meiner Rolle und der Rolle und Stellung von Frauen gekommen. Welchen Erwartungen sehe ich mich gegenüber? Bin ich so? Will ich so sein? Kann ich so sein? Wen möchte ich mir zum Vorbild nehmen? Das Resultat sind Selbstbildnisse als Göttin oder Sagengestalt, wobei ich das überlieferte Vorbild teilweise feministisch umdeute. Gerade sehr „alte“ Göttinnen, die schon im steinzeitlichen Matriarchat verehrt wurden, haben durch patriarchale Erzählstrukturen oft an Macht bzw. Bedeutung eingebüßt (informativ hierzu „Die Frau als Mensch“ von Ulli Lust oder die Erkenntnisse von Marija Gimbutas). Diese Bedeutung möchte ich ins Gedächtnis zurückrufen bzw. die Stärke der gezeigten Frauen betonen. Z.B. Eva. Laut Bibel erste Frau. Und wie viele sagen, verantwortlich für den Sündenfall und damit für alles Elend der Menschheit. Dabei war sie meines Erachtens die erste emanzipierte Frau. Sie hat sich entschlossen, selbst zu entscheiden, was gut oder schlecht ist für sie. Oder Frau Holle. Im Märchen eine Art Hauswirtschaftslehrerin, die Mädchen zeigt, wie man brav den Haushalt führt. Nach mancher Theorie aber eine seit der Steinzeit verehrte mächtige Fruchtbarkeits-, Schicksals- und Wettergöttin, also ein ganz anderes Vorbild für die von ihr ausgebildeten Frauen und für uns heute.
In meiner neuesten Werkreihe „Zauber“ kombiniere ich in dreidimensionalen Stickerei-Collagen symbolische „magische“ Zutaten mit Mixedmedia auf Stoff und Papier. Jedes Zauber-Bild enthält zudem eine kleine Glasflasche mit rotem Ocker. Ich greife hier die uralte Erkenntnis auf, dass Kunst und Magie mindestens sehr nahe beieinander liegen. Bei meinen Recherchen über steinzeitliche Göttinnen bin ich auf den Umstand gestoßen, dass das deutsche Wort „Zauber“ vom altenglischen tēafor kommt – dem Wort für rote Farbe, wie sie schon bei der Höhlenmalerei verwendet wurde. Und Kunst verzaubert ja wirklich: Sie inspiriert, ermutigt, deckt auf, lässt träumen… Und wenn eines meiner Werke mit seinem Symbolgehalt eine Betrachter*in in ihrem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bestärkt, dann wirkt der Zauber!
Darüber hinaus gibt es noch zwei Aspekte, die mich bei dieser Art Arbeit faszinieren. Zum einen das Spiel mit Haptik und Konsistenz. Gerade bei Textilien haben wir oft schon beim Ansehen einen unmittelbaren Eindruck davon, wie sich das Objekt auf der Haut anfühlt. Wir müssen es gar nicht berühren – schließlich haben wir seit unserer Kindheit einen reichen Erfahrungsschatz diesbezüglich. Zum anderen kann ich hier meine Fundstücke aus der Natur unmittelbar und auch unverarbeitet in ihrer Dreidimensionalität einbringen.
Ich freue mich, wenn Sie mich in meine Welt begleiten!
Meine Tinten und ihre speziellen Zutaten:
- Ägypten: Ausgekochte Hibiskusblüten. (Daraus wird ein in Ägypten beliebter Tee gemacht, den ich dort oft getrunken habe.)
- Ozean: Seetang und Meerwasser von einem der schönsten Strände der Bretagne.
- Fliege: Tot aufgefundene Fliegen.
- Vogel: Verkohlte Vogelfedern und -knochen.
- Paradies: Mohnblumen, Brombeeren, Aroniabeeren, rote Trauben, rote Rhabarberstiele, Szechuanpfefferbeeren (alles aus meinem (Paradies-)Garten).
- Himmel: Mehrere Wochen gereift unter freiem Himmel.
- Erde: Erde, verkohlte Maulwurfsknochen, Pilze, Wurzeln, ein Stück eines toten Regenwurms.
- Göttin: Blaue Klitorienblüten, Frauenmantel, Artemisia-Kraut.
- Walnuss: Walnussschalen.
- Erbse: Erbsen mit Schote.
- Zauberin: Blaue Klitorienblüten, Schlafmohnkapsel, schwarzer Nachtschatten, Wolfsmilch, Natternkopf (Pflanze), Ackerwinde, Hexenfinger, Zaunrübe, Kopf einer Spitzmaus, Haut von der Ringelnatter, schwarzer Käfer, Beschwörungen 😉.
- Frucht der Erkenntnis: Apfel, Apfelblätter, Apfelessig, Blatt vom Stechapfel, Schale vom Granatapfel, Haut von der Ringelnatter.
- Frau Holle: Holunderbeeren, verkohltes Holunderholz, Regenwasser.
- Teich: Teichwasser, Wasserpflanzen, etwas von Frosch und Forelle.
(Soweit Tiere zum Einsatz kamen, handelt es sich um tot aufgefundene Exemplare).
Einige meiner Tinten und ihre speziellen Zutaten:
- Kindheit: Verkohlte Hibiskusblüten (Symbol für meine Kindheitsjahre in Ägypten).
- Zeit: Vergangenheit: verkohlte Hibiskusblüten, Gegenwart: Federn meines Hahns, Zukunft: Holz von drei Bäumen, die ich in meinem Garten gepflanzt habe.
- Ozean: Seetang und Meerwasser von einem der schönsten Strände der Bretagne.
- Vogel: Verkohlte Vogelfedern und -knochen.
- Paradies: Mohnblumen, Brombeeren, Aroniabeeren, rote Trauben, rote Rhabarberstiele, Szechuanpfefferbeeren (alles aus meinem (Paradies-)Garten).
- Himmel: Mehrere Wochen gereift unter freiem Himmel.
- Erde: Erde, verkohlte Maulwurfsknochen, Pilze, Wurzeln, ein Stück eines toten Regenwurms.
- Göttin: Blaue Klitorienblüten, Frauenmantel, Artemisia-Kraut.
- Zauberin: Blaue Klitorienblüten, Schlafmohnkapsel, schwarzer Nachtschatten, Wolfsmilch, Natternkopf (Pflanze), Ackerwinde, Hexenfinger, Zaunrübe, Kopf einer Spitzmaus, Haut von der Ringelnatter, schwarzer Käfer, Beschwörungen 😉.
- Frucht der Erkenntnis: Apfel, Apfelblätter, Apfelessig, Blatt vom Stechapfel, Schale vom Granatapfel, Haut von der Ringelnatter.
(Soweit Tiere zum Einsatz kamen, handelt es sich um tot aufgefundene Exemplare).